#TICKTICKBYE

Liebe Menschen!

Wir werden TICKTICKBOOM nach über 4 Jahren als Crew auflösen.

Damit reagieren wir auf interne Entwicklungen, die wir mit Euch teilen möchten –
denn es ging uns von Anfang an um Austausch, Transparenz und Gemeinsamkeit.

Nach unserer Gründung Ende 2012 haben wir als Artists und Menschen viele tolle Dinge zusammen erlebt:

Wir haben große Konzerte gespielt, mit Workshops viele Menschen erreicht, konnten mit euch zusammen eine Menge Spenden für wichtige, politische Projekte wie CADUS, FEUERWEHR FÜR ROJAVA, LAMPEDUSA, lokale Antifaarbeit oder WOMEN IN EXILE sammeln. Auf unseren Konzerten und Podiumsdiskussionen sind tausende unterschiedliche Menschen zusammengekommen, um sich gegenseitig Kraft zu geben oder angeregt zu streiten. Wir haben Feedback für politischen Rap bekommen, das wir uns niemals erträumt hätten und mit vielen lieben Menschen Bühnen, Dancefloors und Schlafsäle geteilt. All das war ein verrückter Freudentaumel, ein Lernprozess von unschätzbarem Wert und hat uns viel Energie gegeben – das haben wir den Leuten zu verdanken, die geholfen, mitgewirkt und mitgefeiert haben. All das bleibt.

Wie es aber bei so einem großen Zusammenschluss eben ist, sind die Interessen und Motive von mehr als 20 Menschen auf Dauer schwer unter einen Hut zu bringen. Die Vorstellungen davon, was TICKTICKBOOM sein soll und was wir damit bewegen möchten, sind einfach zu weit auseinander gegangen. Das ist nun der Grund für unsere Auflösung.

Politische Arbeit im Kollektiv ist schwierig – umso mehr, wenn man in verschiedenen Städten lebt und sich nur selten sieht. Einige von uns waren enttäuscht darüber, dass wir in letzter Zeit weniger Aktionen zusammen gestemmt haben und hätten sich mehr aktive Politarbeit in Verbindung mit Musik gewünscht. Andererseits sind viele Artists und Crews von TTB inzwischen auch solo sehr aktiv, daneben haben die meisten von uns einen oder mehrere Jobs, andere politische Projekte und manche sogar Kinder.

Auch die Unverbindlichkeit und der Mangel an politischer Klarheit wurden zunehmend zu einem Problem. Während sich einerseits die meisten Artists immer mehr professionalisierten und/oder kommerzialisierten, andere sich aber professionalisierten und dabei auf DIY-Strukturen setzen, litten Diskussionen über das politische Selbstverständnis, die das Kollektiv stärken sollten. Die Folgen war sowohl eine Arbeitsteilung zu Lasten weniger Mitglieder als auch ein verstärkter Fokus auf einzelne Acts statt auf die Crew als Ganzes.
Die Idee gemeinsamer Aktionen verlor dadurch immer mehr an Bedeutung. Aufmerksamkeit im Hip Hop-Mainstream un im gesellschaftlichen Mainstream war ein erklärtes Ziel-
Leider konnten wir die Frage, was wir mit diesem Fuß in der Tür machen wollen und könnten, nicht ausreichend beantworten.

Kurz gesagt: Die Ansprüche an eine Crew sind so unterschiedlich verteilt wie die Kapazitäten der Einzelnen und das hat uns im Endeffekt handlungsunfähig und zerknirscht gemacht.

Man soll aufhören, wenn es am Besten ist – und diesen Zeitpunkt abzupassen, ist wahrscheinlich unmöglich. Wir wollen aber bewusst aufhören, bevor die Sache einfach einschläft. Wichtig ist uns hierbei, all die spannenden Erfahrungen und Lernprozesse in zukünftige Projekte mitzunehmen und frisch nach neuen Ufern zu suchen.

Wir möchten uns bei Euch von Herzen für die gute Zeit bedanken, für unsere Freudentränen hinter der Bühne, den Glitzer in euren Augen und die Kraft, die uns das gegeben hat – und werden natürlich weitermachen. Wir alle von TICKTICKBOOM bleiben miteinander verbunden, werden Konzerte zusammen geben, Songs machen, politisch aktiv sein und politische Aktionen unterstützen. In dieser Welt gibt es auch außerhalb von Rap viel zu tun.

TICKTICKBOOM als Crew gibt es nicht mehr – wir möchten aber gern weiterhin eine Plattform sein, die auf wichtige politische Aktionen aufmerksam macht, Releases und Infos aus unserer Ecke bündelt und an Euch weiterleitet.

Lasst uns gemeinsam auf dieser tollen Zeit aufbauen, weiter diskutieren und nach einem neuen Drive suchen. Wir freuen uns über jede neue und bekannte Stimme, die Rap als Medium ernst nimmt und wie wir versucht, durch Musik etwas zu bewegen – und bleiben weiterhin der Kultur verbunden, die uns alle so sehr geprägt hat.

Wir sehen uns.